T.o.R. im Mai mit Michael Jakob

(c) michael jakob

Ok, wir geben es zu, Mai ist in Wahrheit der letzte Monat, in dem irgendwer noch irgendetwas anderes tut als an die Sommerpause zu denken, und zwar sehnsüchtigst. Das (also anderes) tun wir dafür aber ganz besonders hingebungsvoll, und so bereiten wir, das heißt die Stachanov-Abteilung des internationalen Tachinierens oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, bereits in stundenlangen Info-Meetings, gewaltaktigen Brainstormings und gefühlt tagelangen Exerzitien nichts anderes vor als die nächsten Schandtaten. Und wen überrascht es, herausgekommen ist dabei: ein Auftritt im Mai.

Die alten Bon-Vivants, Hagestolze und vor allem hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser planen also genau gessagt am Donnerstag, den 09. Mai 2013 um 20:00 in neuestem Tuch und sittsam gekleidet sich im Moustache ein Stelldichein zu geben. Vor Ort werden wie gehabt nur die besten Erträge ihres jüngeren literarischen Schaffens präsentiert, was an Unterhaltungskraft und Erbaulichkeit zu übertreffen wiederum die Aufgabe des Gastlesers sein wird. Da dieser jedoch mit Michael Jakob einen Routinier in sämtlichen nur denkbaren Bühnenfächern darstellt, dessen Werke und Taten bei Bedarf auf seiner wunderhübschen Website nachzulesen sind, dürfte ihm dieses ein Leichtes sein und so soll es doch in Wahrheit auch sein.

Ebenso kein Malheur dürfte das Gleichbleiben der Traditionen (Open Mic-Potential für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie pünktliche Beginnzeit) darstellen. Arbeitet und faulenzt also in eurer Freizeit bis dahin recht fleißig und entspannt um guten Mutes unser treues Publikum zu sein, wir täten uns recht herzlich und angestrengt freuen.

Mai-Memo:
Do 09.05. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Michael Jakob (Nürnberg)
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Arkadische Bombengeschwader: Das war T.o.R im April 2013

Trunken von Pollenflug und Bestäubung zelebrierte Text ohne Reiter einen vorzeitigen Maitanz, wie listige Nymphen, aus Mittsommernachtsträumen geschlüpft, verteilte die Lesebühne verbale Blumenkränze und goß ein Füllhorn textlichen Frühlingserwachen übers dichtgedrängte Publikum aus, woraufhin das Moustache dem aufgeregten Inneren eines Bienenkorbes in nichts nachstand. Durch den Abend führten Stefan Abermann und Martin Fritz, die beiden Meister der hohen Kunst des modischen Color-Blockings, wie gewohnt charmant. Markus Koschuh war verhindert, nahm er doch im Team mit Andy Borg an einem Seifenkisten-Charity-Wettbewerb im Stanglwirt zu Kitzbühel teil. Prominenz, wem Prominenz gebührt, sagen wir da nur, als Ersatz trug Robert Prosser immerhin eine neue, schwarze Hose.

Das Publikum bezaubernd, mit lyrischem Funkeln bestäubend gleich einem Kolibri, der mit Ronja Räubertochters Kriegsgeheul wie ein Bombengeschwader aus Arkadien über Tirol kam, war des Abends bemerkenswerteste Blüte ohne Zweifel Theresa Hahl: Sie beschwörte Abenteuergeister, Geheimzeichenzeichner, brachte Herzmären vor, spazierte zwischen Wolkenästen und wagte Kamikazesprünge ins Kardioquadrat. Theresa Hahl stampfte und schnippte, um in spröden Gelenken die Zeit zu verrenken, verpasste dem Publikum Spliss in den Adern, herzhaft zu zerfasern stand auf dem Programm. Verlorengehen ist auch eine Art der Bewegung und an den Schnittstellen der Wahrheit faltete unser Stargast lyrische Origami; ausgefallen, schön und lebendig.

In Tagclouds, die gleich psychedelischen Nordlichtern, die der Klimawandel nach Innsbruck zu bringen gedenkt, durchs Moustache zogen, lassen sich die weiteren Inhalte wie folgt umreissen:

Heimwerker: Solche legten sowohl die Wohnung von Stefan Abermann als auch von Martin Fritz zu Schutt und Chaos, aus zweierlei Blickwinkel ein Aufprall kunstsinniger Akademikern mit raubeinigen, dialektal ausgiebig fluchenden Heimwerkern als Kampf mit Fugenmassen und Sicherungen und über allem schwebt bedrohlich die 8er, 10er, 12er oder 14er Krechel.

Träume: In Robert Prossers unerwartet witzigen Tiertexten träumten Pessoalesende Anglerfische davon, zu den Sternen auszuwandern und forderte ein fieser Koboldmaki („deine Mutter fickt für Ziegel, um deiner Schwester ein Hurenhaus zu bauen“) von der Evolution postalisch die Liebe der Seepferdchen. Martin Fritz trug Aufzeichnungen persönlicher Träume vor, die, nachdem das Betthupferl aus einem Girls-Serienmarathon bestanden hatte, z.B. Notoperationen unter der Anleitung von Youtube-Videos zum Inhalt hatten.

Musik: Stefan Abermanns Erfahrungen beim Babyschwimmen mündeten in der Angst, das Kind könne von der väterlichen Fahne eine Alkoholvergiftung bekommen, und als die Getränkekarte des Vorabends aus dem Inneren des verkaterten Vaters strömte, gebärdeten Babies sich wie Rockstars. Martin Fritz las Charts in erweiterter Form vor, nämlich Top Ten Listen, u.a zu Modefehlern und den peinlichsten Unternehmungen, einen davongelaufenen, geliebten Menschen rückzugewinnen, und von Robert Prosser kam eine frühlingshaft mitreißende Sprachrhapsodie als Monolog eines Straßenmusikers, welcher um Jazz, Swing und das Dritte Reich kreiste.

Großartig war es, keine Frage, auch dank zweier Open Mics, wir bedanken uns bei Christoph, der als Musterbeispiel proaktiven Unterrichts von der Lehrerin angemeldet worden war und mit Augenzwinkern Herzschmerzen auf menschliches Triebwerken runterbrach, und Barbara, die kommunikative Grenzen auslotete und anhand der Geschichte von Elvira die Machtverhältnisse zwischen Mutter und Tochter greifbar machte.

So macht es denn alle wie Seepferdchen, trefft euch zur Paarung unterm Mondenschein und singt währenddessen, vergesst nicht, den schwangeren Partner trotz vollgestopftem Eiersack jeden Morgen zu umarmen und kommt hurtig am 09. Mai zur nächsten Show.

Fast Facts for Fast Swimmers: Next T.o.R. am Donnerstag, 09. Mai 2013, um 20 Uhr im Moustache, mit Michael Jakob (Nürnberg).

T.o:R. im April mit Theresa Hahl

theresa hahl

Wer weiß schon, was vom Duo Frühjahrsmüdigkeit sowie Frühlingsgefühle jeweils Ursache ist und was Wirkung, aber irgendwie hängen die beiden zusammen, so viel ist klar. Dem auf den Grund geht naturgemäß die romantischste Slacker-Exzesskompetenzstelle Mitteleuropas, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, und zwar für nichts weniger als einen Auftritt im April, infolgedessen hinterher hoffentlich alle zwar müde, das aber vom Feeling her mit einem guten Gefühl belohnt gewesen sein werden.

Konkret gesagt werden sich dazu die dezenten Schwerenöter und vor allem hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am Donnerstag, den 11. April 2013 um 20:00 in feinsten Zwirn gehüllt ins Moustache begeben um dort ein erlesenes Bouquet aus frisch erblühten Texten zum Vortrag zu bringen. Des Trefflichen nicht genug, komplettiert als Gastleserin des Abends Theresa Hahl die Runde mit ihren Spoken-Word-Gedichten, von denen sich Betrachter_innen ihrer Website (nebst Hinweisen zu Hahls diversen interessanten Nebenprojekten wie ein Live-Hörspiel, live-illustrierte Lyrik oder eine Gedichtmalmaschine u.v.m.) ebenso ein Bild machen können, wie ebendiese Lyrik den Slam- und Lesebühnen des gesamten deutschsprachigen Raums zum Schmuck gereicht.

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Abend sind also denkbar gut, in dessen weiterem Verlauf alles bleibt wie gewohnt, also Open Mic-Potential für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie pünktliche Beginnzeit und die herzliche Einladung an alle, die reinen Herzens sind oder es werden wollen, herbeizueilen.

Frühlingsfakten:
Do 11.04. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Theresa Hahl (Marburg)
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Zombie-Ponys und ferne Länder: Das war T.o.R im März 2013

Sämtliche hohen Künste der literarischen Performanz, die die Meisterschaft einer Lesebühne bewahrheiten, wurden in der fulminant präsentierten März-Ausgabe von T.o.R. dem Publikum zu Gehör und vor die Augen gebracht. Man flog ins Licht und sauste Richtung Dunkelheit, es wurde gelacht und geweint, erzählt und parodiert, gefräst und appelliert; irrlichternde Geschichten verwandelten das Moustache in ein magisches Karussell, welches sich um nichts anderes als die perfekte Abendunterhaltung drehte.

Madga Woitzuck

Mit Worten, die aus modifiziertem, hitzeresistentem Ikaruswachs geschrieben worden sind, schoss besonders Magda Woitzuck dem Publikum in Herz und Hirn und darüber hinaus in Richtung ersehnte Sonne. In der von unzähmbaren Ponys mit wuscheligen Mähnen durchrittenen, von manchen Insidern auch als “alpine Orzaks” bezeichneten Wildnis Niederösterreichs schmiedet Fräulein Woitzuck ihre erzählerischen Kleinode, die im Moustache zu Innsbruck verführerisch aufblitzten. Sie las aus ihrem neu erschienenen Erzählband Ellis. Eine Trilogie und lockte ins unheimliche Stampfen des Schiffmotors, welches in der Titelgeschichte die Kajüte erzittern lässt. Die Atlantik-Überfahrt wird zu einer Wandlung, an deren Ende nicht nur die Ankunft in New York und neue Namen, sondern auch die ersten leidvollen Erfahrungen von Tod und Sünde stehen. Sich diesem Sog der Erzählungen zu überantworten, sei wärmstens empfohlen und daher mit Vehemenz auf das Buch verwiesen.

Wie nicht anders zu erwarten griffen die vier Lesebühnenveteranten in der Manier ausgefuchster Hasen jene Themen auf, die unser aller Gegenwart prägen wie Brandeisen:

bundesheerliche Hengste: Stefan Abermann präsentierte einen alternativen Morgenappell, nach Benko-Kakao und Marmeladenbrot werden Gewehre im Plüschmantel verpackt, „der Mund ist das Gewehr des Gesichtes“ gibt der eifrige Vizeleutnant den empfindsamen Rekruten mit ins Schlachtfeld, schließlich geht`s auch beim Heer immer nur ums Reden und um die Gefühle. Darauf servierte Abermann Vorschläge, wie die Pferdefleischkrise sich ins Positive wenden ließe, indem z.B. McStallion und Pony2go bei einer von DJ Ötzi beworbenen Fastfood-Kette angeboten werden. Als weitere Folge des equidaesken Aufstiegs in der Nahrungskette gewinnt Hugo Simon ein Comebackrennen auf der Almkuh Resi, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

metallene Paviane: Der einzige Lesebühnestammleser mit einer halbwegs absolvierten Militärkarriere ist übrigens Robert Prosser, der als Gebirgsjäger zu St. Johann gezwungenermaßen der Landesverteidigung frönte. Prosser erzählte von einer Tierart, von der man nie genug hören kann, sind wir uns ehrlich, nämlich von Pavianen, die während des Burenkrieges in Südafrika einen Exiltiroler und einen morphiumsüchtigen Dichtern beim Laudanumkochen begleiten. Die körperliche Entgrenzung wurde auch im zweiten Text gesucht, in welchem ein Schwertschlucker in die hohe Kunst einführte, sich Metall in den Rachen zu stecken, um Thorax, Zwerchfell, Cardia mit Leichtigkeit zu überwinden und tief im Magen das Glück zu entdecken.

Markus Koschuh

intime Heiligsprechung: Markus Koschuh schlüpfte in die Stimmbänder Van-Staas, der Wallnöfer den Heiligenschein verpassen will. Ein Platz unter den schwarzen Manda ist reserviert, unter linguistischen Parodieverdrehungen wurde in der Politkerrede auch das Institut für Germanismus bemüht, um in sieben Gründen die Rückübertragung des Agrarbesitzes zu verhindern. Auf diese in Schauspiel und Wortlaut einwandfrei treffende Persiflage folgte eine berührende Geschichte über eine Postkarte, die dem schlafenden Koschuh im Zug nach Zürich aufs Knie gelegt worden war, als flammender Monolog an eine heimliche Verehrerin: „gib mir ein Zeichen, mache mir deinen Namen zum Geschenk“.

kaiserliches Gefräse: Martin Fritz fügte der Romantik noch ein Schippchen hinzu und stellte seinen Entwurf für den vierten Sissi-Film vor. In diesem überbordenden Skriptentwurf übt die Prinzessin heimlich Mambo, wird Brasilien von Soldaten erobert, die alle von Nicolas Cage verkörpert werden, und liegt unter der Hofburg der Zugang zur Hölle, welchen Rolemodel Christopher Waltz öffnet, um Wien und Kaiserreich ein Zombie-Vampir-Einhörner-Gemetzel zu bescheren. Darauf gabs einen Text der zenbuddhistischen Gleichmut, als Besitzer einer Schneefräse berichtet Fritz darin vom bescheidenen, sanften Fräsen auf dem kleinen, überdachten Wohnungsbalkon, er fräst und fräst einen Zentimeter vor und einen zurück, bis die Gedanken leicht wie Schneeflocken und ebenso widerstandslos ins Nichts schmelzen.

Es gab ferner ein vielversprechendes Openmic von Rebekka, die eine Brandrede wider die gesellschaftliche Oberflächlichkeit zu bieten hatte und mit dem Wissen entlohnt wurde, dass eine Lesebühne kein Slam ist. Der angeprangerten Verlogenheit von Küsschen links, Küsschen rechts zum Trotz verabschieden wir uns in exakt dieser Art, also Küsschen links, wehrte Leser und Leserinnen des Nachberichtes, Küsschen rechts, und weil wir in Tirol und Verfechter der freien Liebe sind, gibt es noch ein zweites Küsschen links und eines auf den Mund obendrauf.

Madga Woitzuck

Trinkt also Benko mit Laudanum und träumt vom Paradies, denn allesamt sind wir Froschprinzessinnen, die mit Sicherheit am 11. April von Theresa Hahl wachgeküsst werden.

Facts by Christoph Waltz: La T.o.R. prochaine on 11th April 2013, 20 a la hora en Moustache, con Theresa Hahl (Marburg). Tiam do gis revido! Ciukaze!

Fremdgehtipps

Das Frühjahr bringt mal wieder ein paar Soloprojekte der T.o.R.en, wobei Soloprojekte nicht wirklich treffend formuliert ist, da die Nebenprojekte der hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren und hier eben nebenamtlichen Hauptprojektleiter naturgemäß auch nicht jeweils allein ins Werk gestellt werden. Aber der Reihe nach.

Martin Fritz beteiligt ist in der Karwoche an einer Nahwelt, hier der offizielle Flyer und Ankündigungstext:

Wir wollen eine Nahwelt bauen

“Ich wünsche mir eine Welt, die nur aus anderen Menschen besteht. Nur dich und alle anderen, mehr will ich ja nicht”

WIR WOLLEN EINE NAHWELT BAUEN stellt sich und seinem Publikum vor allem eine Frage: Welche Formen von Beziehung und Zusammenleben sind jenseits der bestehenden denk- und lebbar.
Während SchauspielerInnen auf einer Bühne zwar über vieles, normalerweise aber nicht über sich selbst sprechen (dürfen), treten die Beteiligten von WIR WOLLEN EINE NAHWELT BAUEN als ihre eigenen Kunstfiguren auf, geben Intimes preis, ohne aber die Illusion von Authentizität zu beschwören.
Inszenierung / Performance. Von und mit: Ale Bachlechner, Martin Fritz, Franz-Xaver Schumacher, Lia Sudermann sowie Stefan Ramírez Pérez. Grafik: Nina Fuchs

FREIES THEATER INNSBRUCK – 28. 29. 30. 31. MÄRZ – 20:00
Eintritt: 5 / 8 Euro – Reservierung: freiestheater.at

“Wie bedingungslose Liebe ohne Knechtschaft ein funktionierendes Instrument würde, wie unsere gemeinsame Nahwelt kein Kerker sein muss, in dem wir ganz wir selbst sind und wie der andere als Subjekt und nicht bloß als Substanz Teil einer gemeinsamen Nahwelt wird und von allen würde ich am meisten dich durchliken, durchfaven, durchplussen, durchstarren und das System würde mir sagen: This object cannot be liked. Wir müssten eben alle alle durchliken, durchfaven, durchplussen, durchstarren und das Netzwerk würde uns sagen: Friends won’t know you’ve starred them.”

Gefördert vom Land Tirol im Rahmen von TKI Open 13
Zum Event bei Facebook

Stefan Abermann hingegen organisiert das Projekt Deaf Slam Tirol, hier ebenfalls, Flyer, Veranstaltungsbeschreibung und Links zu sämtlichen Details:

Deaf Slam Tirol ist ein Projekt, das den Poetry Slam in der Tiroler Gehörlosen-Gemeinschaft bekannt machen soll.

Was ist also ein Poetry Slam? Poetry Slam ist eine Form von Live-Literatur. Jede/r TeilnehmerIn hat 5 Minuten Zeit ihre/seine selbsterdachten Texte zu performen, das Publikum wählt die/den GewinnerIn. Das geht natürlich nicht nur in Lautsprache, sondern auch in Gebärdensprache.

Das Projekt Deaf Slam Tirol läuft in zwei Phasen ab (genaue Termine hier):

Workshops & Soloshows
An zwei Workshop-Wochenenden gibt es die Möglichkeit, Gebärdensprache, Gebärdensprachpoesie und Poetry Slam kennen zu lernen. Giuseppe Giuranna und Tobias Kunze, zwei erfahrene Slammer führen in die Techniken des Poetry Slam ein und präsentieren außerdem an den Abenden ihre eigenen Soloshows.

Bilingual Deaf Slam
In der zweiten Phase geht es ans Eingemachte: Die besten GebärdenslammerInnen aus den Workshops treten an einem finalen Abend gegen internationale (Lautsprache)-SlammerInnen an. Dabei werden alle Veranstaltungen simultan gedolmetscht.

Gefördert vom Land Tirol im Rahmen von TKI Open 13

Und über Markus Koschuhs zahlreiche und vielfältige Auftritte informiert stets dessen wunderschöne Website, während Robert Prossers Treiben auf der seinen mitverfolgt werden kann.

T.o.R. am Do 14.3. mit Magda Woitzuck

magda woitzuck, foto DUM; n.b. woitzuck ist hier neben einer katze abgebildet und kann sehr erschreckende geschichten von katzen erzählen, sieht jedoch, wenn ihr geschichten von katzenblogs erzählt werden, so drein: http://www.ipernity.com/doc/173256/12611681 ; zum verhältnis zwischen der leitmetapher des folgenden textes, den fischen, und katzen, siehe: http://www.youtube.com/watch?v=168HoM1dKqk&feature=player_embedded

Es mag Uneinigkeit bestehen, ob es den Frühling, dieses Pangasius-Filet unter den Jahreszeiten nun braucht oder nicht, aber der Redsnapper unter den Performanzliteraturfischen, oder wie andere auch sagen Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, nützt ihn oder präziser ausgedrückt: den März naturgemäß für einen weiteren Krabbenkorb der Textualität oder wie andere auch sagen: einen Auftritt.

Zu diesem Zweck werden sich die begeisterten Hobbynautiker und Vollzeit-T.o.R.-Stammautoren am Donnerstag, den 14. März 2013 um 20:00 ins Moustache verfügen und dort ihre schönsten Fänge aus der Tiefe ihrer Phantasie zum Besten geben. Gastleserin des Abends ist Magda Woitzuck aus dem gewiss fabelhaften Neulengbach, die für ihre Hörspiele und Erzählungen schon zahlreiche Preise eingeheimst sowie den besten Beitrag zur Anthologie “Riots im gläsernen Käfig” beigesteuert hat (subjektive, aber mit zwei Magistertiteln gestützte Meinung des Veranstaltungsankündigungschreibers).

Der ganze Rest bleibt wie er immer schon war, also Open Mic-Potential für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum und pünktliche Beginnzeit sowie die Empfehlung, in Schwärmen herbeizuströmen.

Aquatischer Abriss der Fakten:
Do 14.03. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Magda Woitzuck (Neulengbach)
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Busenneidische Zirbenschänder torkeln übern Laufsteg: Das war T.o.R. im Februar 2013

Da der hohe Festtag des Valentins zu begehen war, pochten im Moustache zu Innsbruck Publikumsherzen glückselig vor sprachlich induzierter Romantik. Applaudierende Hände glichen den Flügeln aufgeregter, weißer Tauben, schwarmweise stiegen Vivat-Rufe und literarische Bonmots in die Luft. Gründe zur Freude gab es zuhauf, was vor allem an unseren Gästen lag: Helena Schmidt und Simon Cazanelli aka Senza Parole.

Senza Parole

Noch nie waren besser gekleidete Menschen auf der Bühne unserer der Mode zwar nicht abholden, in Bezug aufs äußere Erscheinungsbild aber ein schnoddriges Understatement pflegenden Performanzshow, deren Laufstegqualitäten zugegebenermaßen nur in Form von Martin Fritz‘ schmalen Krawatten zu belegen sind. Abseits rein optischer Vorzüge bot dieses slamtechnisch wirbelwindartig Bühnen fegende Team eine SpokenWord-Valentinsblumenstrauß, welcher gar wunderbare Blüten bereithielt. Unter anderem wurde auf Italienisch und Deutsch gesungen und sprachliches PingPong gespielt, crazy like Patrick Swayze Taylor Swift zitiert, im Doppelpack 5 Gründe genannt, warum Katzen besser sind als I-Pads (ein Lebewesen, welches in derartigen Videos agiert, stellt einfach alles in den Schatten, keine Frage), im Duett der Weltuntergang vom 21.12.2012 heraufbeschworen und eine Freiheit anvisiert, die dort draußen liegt, wo das Web 2.0 beginnt. Ganz großes Kino, die Lesebühnen-Stammbesetzung verneigte sich ehrfürchtig wie ein Lakai vor seiner Andrea-Berg-narrischen Kronprinzessin.

Senza Parole

Diese, also die Stammbesetzung, musste leider auf Markus Koschuh verzichten, weilte er doch in Köln, um dort vom Fernsehsender RTL als Nachfolger von Cindy aus Marzahn aufgebaut zu werden. Die verbliebenen drei T.o.R.en gaben ihr Bestes, was, kurz rekapituliert, aus folgenden Schlaglichtern bestand:

Busenneid: Stefan Abermann erzählte von der achten Todsünde, die zwischen Vater und neugeborenem Kind eine tiefe Kluft zu treiben und die einmalige Absenz der Mutter in einen schier nerventötenden Psychokrieg zu verwandeln imstande ist, der das Publikum wiederum zu frenetischem Gelächter und Applaus verführte.

Kleistogamie: Robert Prosser las passend zum Feiertag seine Neudichtung der antiken Lovestory schlechthin und blickte in eine besondere Inspirationsquelle aus Ovids Metamorphosen, nämlich in die Legende von Narziss, welchen angesichts des eigenen Spiegelbildes die Liebe wie der Faustschlag eines Spartaners traf.

Robert Prosser

Zirbenschänder: Martin Fritz trug einen wohlklingenden Dialektwalzer vor, der in schönstem Tirolerisch vom Zirbenschnapsbrennen berichtete. Die Haudegen hiesiger Destillierkunst, im 3/4 Takt hochprozentiges Geisteswasser zaubernd, sind demnach harte Knochen, die vom Zulingzapfen bis zum Oachkatzl alles in den Brennofen hauen.

Stefan Abermann und Martin Fritz

Martin Fritz präsentierte weiters zehn die Sissi-Filmtrilogie betreffende Verbesserungsvorschläge, die unter anderem Achselbehaarung, Ankertattoos und wilde Liebesbeziehungen zum Inhalt hatten (empfohlenermaßen hier nachzulesen), Robert Prosser trug auswendig und rhythmisiert ein Gedicht übers Ausgehen im Allgemeinen und Drum’n Bass Partys im Besonderen vor, energetisches Strandgut seiner Sturm-und-Drang-Phase, und Stefan Abermann kredenzte dem Publikum ein Gebet, worin ein vormals Zweifelnder, der im Zentrum seines Lebens nur ein großes, schwarzes Loch zu erkennen glaubte, durch die Verurteilung Ernst Strassers Erlösung findet.

Die übliche Verbeugung

So wird es also gewesen sein, anno Februar 2013, dies noch zu übertreffen ist unser ehrliches Anliegen, der nächste Versuch, diese Unmöglichkeit zu bewerkstelligen, findet am 14. März statt, mit Magda Woitzuck als Don Quijote und Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser als vierköpfiger Sancho Pancho. Wider der Nordkette, den Windmühlen und den Verheißungen des Après-Skis!

Hardfacts: Next T.o.R. am 14. März, 20 Uhr im Moustache, mit Magda Woitzuck.

Es grünt so grün: Der Frühling/Sommer-Flyer 2013

Da kann der Schnee hierzulande und der Regen in Spanien auf die Ebene fallen, so viel sie wollen: Der Turing-Test erprobteste postmoderne Pygmalion, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, plant mit Hilfe der neuntbesten Freude, der Vorfreude, bereits für die beste Zeit des Jahres und kündigt dafür die folgenden Vorhaben an:

tor fruehlings-flyer 2013 (T.o.R.-Logo (c) Pascal-Anne Lavallée Layout (c) Carmen Sulzenbacher)

* DO 14.03.13 mit Magda Woitzuck (Neulengbach)
* DO 11.04.13 mit Theresa Hahl (Marburg)
* DO 09.05.13 mit Michael Jakob (Nürnberg)
* DO 13.06.13 mit Christine Teichmann (Graz)

Das muybridgeske Rotwild hat wie gehabt unserer Hausgraphikerin Carmen Sulzenbacher ins Bild gerückt und die detailierten Informationensbrocken zu den einzelnen Sprechakten werdet Ihr jeweils zeitnah erfahren, wenn Ihr mal wieder hineinschaut in dieses so genannten Internet (sofern es sich durchsetzt) Wir freuen uns auf uns, die Gastleser/innen und Euch im Moustache. Blüht in Vielheiten!

T.o.R. am D0 14.2. mit Senza Parole

senza parole, foto (c) johanna lamprecht

Der Feber steht im Ruf, allgemein mehr schlecht als recht in einem emotionslosen Dahindämmern zwischen Winterschlaf und Frühjahrsmüdigkeit verbracht zu werden. Das muss aber nicht so sein, Stichworte Maria Lichtmess, Fünfte Jahreszeit und Energieferien. Und auch die Abteilung für nachhaltige Bühnenromantik und erneuerbare Energiesparlampen, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, ist ein Strohhalm der guten Hoffnung im Wintersgrau und heuer sprachlos am Valentinstag, wie es Catherine T. Nicholls ausdrückte. Aber fangen wir beim Anfang an.

Die engagierten T.o.R.-Stammautoren und Teilzeit-Charmeure Stefan Abermann, Martin Fritz, und Robert Prosser werden sich am Donnerstag, den 14. Februar 2013 um 20:00 nämlich in Abwesenheit von Markus Koschuh ins Moustache begeben, um dort ein Feuerwerk der lieb gemeinten Textperformanz zu zünden, da letztgenannter zeitgleich und mit viel Gefühl das neue Album der Kastelruther Spatzen einsingen muss. Das (also die Abwesenheit, nicht das Album) macht aber fast gar nichts, denn die T.o.R.-Lausbuben haben sich für den Tag der Liebenden gleich zwei Gastlesende geladen, nämlich das Team Senza Parole, bestehend aus Helena Schmidt und Simon Cazzanelli (der dem Publikum noch von seinem Sieg beim Bäckerei Poetry Slam bekannt sein könnte). Die beiden sind nicht nur die größten Andrea-Berg-Fans des deutschsprachigen Raums, sondern auch StifterInnen und voraussichtliche PreisträgerInnen des Ö-Slam-Best-Dressed-Awards 2013. Denn beim Ö-Slam nimmt Österreichs vielleicht zweitbestes (nach T.F.S.K.) Performanzliteratur-Team gewiss wieder teil, wie sie überhaupt mit ihren Texten über Katzenvideos im Internet, Kaufräusche und eben Andrea Berg aus der Poetry-Slam- und Lesebühnen-Szene nicht wegzudenkende Fixgrößen sind.

Alles andere bleibt ebenso wie beim Opernball stets gleich, also Gelegenheit zum Ergreifen des Open Mic für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum und Pünklichkeitsverliebtheit, sprich es fängt auch wirklich um genau Acht an. Also, be our Valentine, es wird ein Fest der Liebe und der Literatur, die wohl beide ebenso oft über- wie unterbewertet werden.

Romantisches Resümee:
Do 14.02. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Senza Parole (Graz)
Und zum Facebook-Event geht es hier.

Nosferatur, Gänseblümchen und Tresenweisheit: Das war T.o.R im Jänner

Endlich paradierten die vier Reiter mal wieder gemeinsam als kostümierte Tierchen des Performanzzirkusses, Stimm- und Sprachkunstwerke vollführten putzig wie See- oder edel wie Lippizanerpferde ihre monatliche Kür. Was bliebe auch anderes zu tun: Markus Koschuh, der Diego Rivera österreichischer Bühnenwelten, ist zu promiskuitiv für den ZDF, Martin Fritz, Die Heiterkeit in Reinkultur, ist wie Robert Prosser, der Tiroler Ryan Gosling für Arme, zu sexy für ATV und Stefan Abermann schadet es auch nicht, mal das Haus zu verlassen.

Daniela Dill

Martin Fritz eröffnete den Abend im rappelvollen Moustache mit einer Suada über das literarische Schreiben. Wie einen Gänseblümchenkranz flocht er die Gedankenwelten der in einer Bar versammelten Autoren ineinander, es wurde über erste Sätze gegrübelt oder über den Marktwert von Krimis mit regionalem Bezug sinniert. Daraufhin las er eine Kostprobe aus dem derzeit besten Textkonvolut vor, welches die Innsbrucker Szene zu bieten hat, nämlich Spotted. Ganz großes Drama! Damit nicht genug, folgte ein tückischer Persönlichkeitstest; als wären es nervöse Schmetterlinge auf einem dieser schönen Bilder von Rohrschach flatterten Neurosen durch den Bierdunst des Moustache‘. Um die feine ironische Klinge des Tests gänzlich genießen zu können, sei unbedingt empfohlen, sich das Original zu Gemüte zu führen, nämlich hier.

Robert Prosser

Zwar befinden wir uns schon in der sechsten Saison, trotzdem wartete der vergangene Termin mit einer Premiere auf: Robert Prosser hatte erstmals etwas halbwegs Witziges vorzulesen, und zwar einen Text von zwei Männern, die sich in einer Bar zufällig zur Trinkkameradschaft zusammenfinden und massenweise schlechte Metaphern auszutauschen haben. Gläser standen auf dem Tresen wie leblose Objekte und die beiden Philosophen wurden zu guten Freunden, wie die Mädels und Jungs in Friends. Obendrauf gab es einen Text zu Graffiti, der den Hauptakteur in U-Bahnsystem begleitete, in welchen es vor Adrenalin und Aerosoul nur so dampfte, dargebracht in einem treibenden Duktus, der eine gesamte Zuggarnitur durch den Brennerbasistunnel ziehen könnte.

Daniela Dill

Unser Schweizer Stargast wiederum verstand es, dass Publikum wie nichts um den Finger zu wickeln, als wäre die begeistert ins Moustache gezwängte Menschenmasse ein echtes Liestaler Käsefondue, in welches Daniela Dill ihre Spoken-Word-Juwelen wie Brotstücke streute. Sie erzählte von den backgepackt Beachressorts wie Hippieenklaven abklappernden Globetrottlern, Kafka, welcher nicht aufs Schloss, doch dafür in feuchte Hirngewinde kam, schob sie ein Kind unter, Novellen wallten sich durch Zaubersprüche, der Heiligenschein wurde zur Hölle geschickt, der Spiegel als Arschgesicht bezeichnet und einmal saß sie sogar nackt, wie Gott sie schuf, in der Kirche. Beide Auftritte ihrerseits samt Zugabe waren ein Lehrstück an mitreißender Performanz, vom Publikum wie von den Stammautoren bestaunt und frenetisch beklatscht.

Markus Koschuh

Markus Koschuh las, am Puls der Zeit wie eh und je, einen Text mit Titel “Shades of Vampire”, worin nicht nur an Splatterelementen gegeizt, sondern auch eine Frau mit einem Cevapcici erwürgt wurde. Am Höhepunkt stand die Vampirattacke auf den Bischof, denn da Katholiken Blut trinken, kann die Verwandtschaft zu den Nosferatujüngern nicht weit sein. Koschuh haute noch eins drauf und gab einen Ausblick auf 2013 zum Besten. Diesem Zukunftsorakel zufolge wird das Parlament zur Red Bull Polit Area, die FPÖ darf Sitzungsprotokolle in Runenschrift verfassen und für Herbst hat sich der Staatsbankrott der halben EU angekündigt.

In einen ähnlichen Hals vergrub Stefan Abermann seine literarischen Beißerchen, als „Bi(s) zum Anschlag“ betitelte Tagebucheinträge gewährten Einblick in eine wollüstige, junge Frau, die sehr gerne wow! schreibt, im Aktzeichenunterricht dem Nacktmodell und Drakula William Oswald Wellington verfällt und von diesem zu einem Anschlag auf die UNO überredet wird. Es folgten die Weihnachtsprotokolle von Frank Stronach, der seine Familie unterm Tannenbaum als Team Christmas vereinigte und ihnen Werte von Freiheit und Transparenz vermittelte. Zungenschlagsmässig eine eins-zu-eins-Darstellung des privatwirtschaftlichen, gemäßigt-diktatorischen Entrepreneurs, der Felix Baumgartner vermutlich bereits einige feuchte Träume verschafft hat, wovon nicht nur die Economy, sondern besonders die Lesebühne profitierte, wovon sich beim Betrachten von noch mehr Fotos überzeugt werden kann.

Und damit bis zum nächsten T.o.R.

Da wir, um den Auftritt von Daniela Dill annähernd toppen zu können, mindestens doppelt so viele Spoken-Word-Könner zu uns auf die Wettcouch bitten müssten, machen wir genau das: Helena Schmitdt und Simon Cazzanelli beehren uns als Team Senza Parole am 14. Februar. Valentinstag ist so was von 2012, 2013 zählt einzig Text ohne Reiter.

Fastfacts: Nächstes T.o.R. am 14. 02. 2013 um 20 Uhr im Moustache mit Senza Parole